Schablone für einen Gitarrenkorpus herstellen

Der Korpus einer E-Gitarre wird normalerweise aus einer Hartholzbohle gemacht. Man sägt aus dem Holz die ungefähre Form des Korpus aus, natürlich immer etwas zu groß, damit man nicht versehentlich zuviel wegsägt und dann eine Lücke in der geplanten Kontur hat. Meistens wird zum Aussägen eine Bandsäge genommen. Manche Leute, ich zum Beispiel, besitzen ein solches Gerät nicht und müssen dann z.B. mit einer Stichsäge Vorlieb nehmen. Das geht eigentlich genauso gut.

Diesen roh zugesägten Korpus nimmt man dann und trägt so lnage Material ab, bis die tatsächlich vorgesehene Form vorliegt. Dazu gibt es eine Reihe möglicher Werkzeuge – Stechbeitel, Raspeln, Schleifmaschine mit oszillierender Spindel usw. Aber je nachdem, was man für Gerät benutzt kann das entweder langwierig, zäh und frustrierend sein, oder man entfernt unversehens zu viel und muss dann sehen, wie man die ungeplante Lücke wieder füllt oder unsichtbar macht.

Beide Unannehmlichkeiten vermeidet man durch Verwendung einer Schablone und einer Fräse. Im E-Gitarrenbau ist meines Wissens die Oberfräse das beliebteste Werkzeug. Damit kommt man der vorgesehenen Form des Korpus mit dem wenigsten Aufwand und dem geringsten Risiko am nächsten.

Zugegeben, die Schablone herzustellen ist ein bisschen zeitaufwändig, aber kein Vergleich zu dem Aufwand, den Korpus direkt aus dem Vollen zu schnitzen. Die Planke für den Korpus ist typischerweise 45 mm dick. So eine Schablone wird dagegen aus ungefähr 10 mm dickem Material gemacht, und zwar nicht aus Hartholz, sondern aus MDF oder Sperrholz. Das lässt sich viel leichter bearbeiten.

Man denkt sich also ein Design aus, zeichnet die Kontur entweder direkt auf das Schablonenmaterial oder auf Papier (ich mag das halbtransparente Papier, das für Schnittmuster in der Schneiderei verwendet wird) und überträgt die Zeichnung dann auf das Brett, aus dem die Schablone gemacht werden soll.

Dann sägt man den Umriss mit einer Stichsäge aus, unbedingt wieder mit ein paar Millimeter Luft. Dann kann man sich mit einer Rasel (ich arbeite am liebsten mit einer japanischen Sägeraspel) bis zur Linie vorarbeiten. Je näher man kommt, desto vorsichtiger muss man sein, irgendwann steigt man dann auf Schleifpapier um und macht die Kanten so glatt wie möglich. Am Ende soll die Kante der Schablone schön senkrecht zur Oberfläche stehen, glatt sein und in organischer Kurve den Umriss des Korpus abbilden.

Für die organische Kurve hatten wir ja den Umriss auf das Brett gezeichnet. Aber die zehn bis fünfzehn Millimeter dicke Schnittkante eines Bretts freihand genau senkrecht zur Oberfläche zu schleifen ist anspruchsvoll. Man kann den Schleifblock kaum so präzise führen, dass die Schnittkante nicht doch zu den Enden hin abgerundet  oder sonst unregelmäßig wird. Das sieht dann nicht sehr professionell aus und macht fast immer mehr Nacharbeit am Korpus nötig. Beides wollte ich nicht, also habe ich mir eine simple Methode ausgedacht, doch zu einer rechtwinkligen Kante zu kommen. (Kann gut sein, dass ich nicht der erste bin, dem diese Methode eingefallen ist. Wer eine bereits vorhandene Beschreibung findet, kann mir das mitteilen, ich verlinke das dann.)

Querschnittszeichnungen vom Rand einer Schablone mit drei auf verschiedene Arten misslungenen bzw. unfertigen, nicht rechtwinkligen Kanten und eine perfekt rechtwinklige und gerade Kante

Ich habe meine Schablone auf ein paar Stücke ganz dünnes Sperrholz gelegt (3 mm dick, die Sorte, die man zum Basteln kaufen kann). Jetzt schwebt die KanteI drei Millimeter über der Werkbank. Dann habe ich Sandpapier um den Rand eines Schleifblocks aus Kork geklebt (mit dem berühmten Malerkrepp-und-Sekundenkleber-Trick: Malerkrepp auf die zu beklebende Stelle des Schleifblocks und auf die Rückseite des Sandpapiers kleben, den Rand des Klebestreifens dann mit Sekundenkleber versehen, die beiden Teile zusammendrücken. Das Sandpapier wird perfekt am Platz gehalten, alles ist so flach und gerade wie der Schleifblock. Wenn das Sandpapier abgenutzt ist, kann man es mitsamt dem Malerkrepp einfach vom Schleifblock abziehen und neues dranmachen. Simpel, elegant, unverzichtbar. Habe ich von Ben Crowe bei Crimson.)

Ich habe also Sandpapier auf den Rand eines Schleifblocks geklebt und kann damit jetzt die Kante meiner Schablone bearbeiten. Wenn der Schleifblock (und damit auch die Breite des aufgeklebten Sandpapiers) höher ist als die Schablone dick, wird immer die gesamte Kante von oben bis unten gleich bearbeitet. Am Ende hat man eine perfekt senkrechte, glatte Kante.

Rechteckiger Schleifblock neben einer Außenkurve der Schablone

Der rechteckige Schleifblock funktioniert natürlich nur für die nach außen gehenden Rundungen. Für die nach innen gehenden Rundungen habe ich einen ovalen Schleifblock hergestellt:

Dazu habe ich ein Oval aus einem Reststück MDF ausgesägt, mit der Sägeraspel geglättet und das Ding als Schablone genommen, um mit der Fräse einen ovalen Schleifblock aus dickerem Sperrholz zu fräsen. Zum Fräsen habe ich Schablone und Sperrholz auf ein Stück Kantholz geklebt, das ich dann in den Schraubstock eingespannt habe. Den Rand des ovalen Blocks beklebe ich genauso mit Sandpapier und kann damit die nach innen gehenden Kurven bearbeiten. Zur besseren Handhabbarkeit habe ich noch zwei Stücke Rundholz als Griffe draufgeschraubt.

Und für die wirklich engen Stellen, v.a. dort, wo der Korpus auf den Hals triffft, habe ich mir ein drittes Gerät gebastelt: Ein rundes Stück dünnes Sperrholz rechtwinklig mit 6 mm dickem Holzdübel an das Ende eines Stücks 19mm dicken Sperrholzes „genagelt“ (also ein 6-mm-Loch in das Ende gebohrt und den Holzdübel dort mit Leim reingehämmert, dann das flache Stück draufgesteckt und an das Ende des dicken Rundholzes geleimt):

 

Mit der Ausstattung habe ich dann die Kante der Schablone rundum geglättet, bis sie so perfekt war, wie ich es ertragen konnte.

Um festzustellen, wie glatt die Kante schon ist und wie organisch die Kurven laufen, kann man die Fingerspitzen an der Kante entlanggleiten lassen. Ich mache das am liebsten mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger in einer Reihe, weil dann jeder Huckel dreimal „blinkt“, und man übersieht dann Macken nicht so leicht. Man spürt dabei, ob die Kurve organisch läuft oder unpassend scharfe Schwenks macht. Abweichungen von der Senkrechten spürt man mit etwas Übung auch. Die auf diese Weise erspürten Stellen, die noch bearbeitet gehören, markiert man oben auf dem Rand mit Bleistift oder so, schleift dran rum, fährt wieder mit den Fingerspitzen drüber, und wenn es sich richtig anfühlt, ist man fertig.

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